Firma I. Ginzkey, Maffersdorf

 

 

Die Firma Ginzkey wurde von Ignaz Ginzkey 1843 in Maffersdorf bei Reichenberg gegründet und wurde recht bald zu einem weltberühmten Unternehmen der böhmischen Großindustrie in der k.u.k. Monarchie. Der Betrieb stellte Decken und Teppiche, sowohl maschinelle, wie auch handgeknüpfte her und hatte in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts sogar den größten Teppich der Welt für das Waldorf Astoria Hotel in New York hergestellt. Ebenso wurden Wandteppiche hergestellt, die meistens alte Gobelins kopierten.

In der 2. Generation wurde der Betrieb von den Söhnen von Ignaz Ginzkey geführt, und zwar Ignaz, der relativ jung starb, Willy und Alfred. Willy Ginzkey überlebte seine Brüder und war eine sehr bedeutende Figur in der böhmischen Industrie, ebenso war er Mitglied des Herrenhauses (House of Lords) in Wien. Zu seinem 70. Geburtstag wurde ihm ein Teppich geschenkt, der die Geschichte der Familie und auch des Unternehmens zeigte und dieser Teppich erhielt in der Pariser Weltausstellung 1936 eine Goldmedaille. Das Unternehmen stattete viele bekannte Hotels in der Welt mit Teppichen aus, wie das Hassler in Rom, aber auch den Elysee Palast, den Hradschin, Schloß Klessheim in Salzburg um einige zu erwähnen.

Die Familie Ginzkey lebte bereits seit einigen Jahrhunderten in Böhmen. Mit der Familie Liebieg ist sie durch die Heirat von Alfred Ginzkey mit Martha von Schmidt verwandt. Die Mallmann kamen durch die Heirat  von Carl Arthur Mallmann mit den Schwestern (die erste Frau verstarb nach dem 2. Kind) von Willy und Alfred Ginzkey in das Unternehmen, sodass schon während der Monarchie Alfred W. Mallmann in das Unternehmen eintrat und zur 100 Jahr Feier 1943 das Unternehmen von Alfred Mallmann als Senior Chef, mit seinen Vettern Alfred und Heinz Ginzkey und seinem Bruder Egon geleitet wurde. Diese Linie der Mallmann Familie ist mit der Familie Liebieg auch verwandt, jedoch wesentlich entfernter als mit jener Mallmann Linie, die durch wiederholte Heirat eng mit der Familie Liebieg verwandt ist.

Zum besseren Verständnis sei auch erwähnt, dass sich alle böhmischen Industriellen bei der Führung ihrer Betriebe analog verhielten; sie hatten alle ihren Vertrieb in die Welt von Wien aus organisiert und fühlten sich als Österreicher, so genannte Deutsch Böhmen. Mit dem Untergang der Monarchie wurden die Deutsch Böhmen plötzlich zur Minderheit in der neuen Tschechoslowakischen Republik. Wirtschaftlich ging es ihnen um vieles besser als jenen im verbliebenen kleinen Österreich, dennoch war die Umstellung zur neuen CSR sehr mühsam.

Die Großindustriellen aus Böhmen verkörperten eine in der Monarchie einzigartige Kaste eine Grand Bourgeois im 19. und 20. Jahrhundert. Außer in Triest existierte nirgends wo in der Monarchie eine solche Schicht. In Böhmen waren immer 3 Völker vorhanden: Deutsche. Tschechen und Juden. Die Grand Bourgeois bestand ausschließlich aus Industriellen Familien, deren Aufstieg in der späten Maria Theresianischen Zeit begonnen hatte, bei den Deutschen zuerst, Tschechen und Juden später. Diese Schicht lebte einen feudalen Lebensstiel, auch wenn sie sehr fleißig in ihren Betrieben tätig waren. Sie verachteten die Unternehmer in Innerösterreich, die meistens kleiner waren, aber sich bei Hof um Anerkennung bemühten. Die böhmische Industrie hat bis zu den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts noch Nobilitierungen angenommen, wie bei den Familien Liebieg, Medinger, Ringhofer, auch zwei Mallmann Brüder, die in der Fa. Liebieg tätig waren. Danach wurde dies strikte abgelehnt, da man sich von den Kleinindustriellen/Kleinbürgerlichen Innerösterreichs abgrenzen wollte und eine Erhebung direkt in den Grafenstand war nicht möglich. Der Lebensstil der böhmischen Industriellen glich sehr demjenigen des Adels, jedoch verkehrte man eher selten miteinander. Man traf sich in den guten Kavallerie Regimentern, das waren jene bei denen Mitglieder von sozial hochstehenden Familien dienten. Hin und wieder wurde untereinander geheiratet, es war jedoch die Ausnahme. Beide Schichten blieben unter sich und heirateten untereinander. Die Häuser der Grand Bourgeois waren Schlössern ähnlich aber moderner und komfortabler. Berühmt war die Atmosphäre, die in diesen böhmischen Häusern herrschte und in denen die Kinder sparsam aufgezogen wurden. Vielen Mitgliedern dieser Grand Bourgeois Familien ist diese Atmosphäre oft der einzige Reichtum geblieben, den sie in die Emigration mitnehmen konnten, ein Reichtum, den sie allerdings nie verlieren konnten und von dem sie ihr Leben lang zehrten bzw. an die nächste Generation weitergeben konnten.  

 

Alfred W. Mallmann (Freddy) im Oktober 2008

 

Die Namen sind nicht unter who is who eingetragen.